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Forum - Künstlicher Darmausgang (Anus praeter)

Krankheiten des Darms und des Verdauungstraktes im Allgemeinen sind weit verbreitet. Werden Krankheiten des Darms chirurgisch behandelt, so läuft dies manchmal auf eine Colostomie oder eine Ileostomie hinaus. Sowohl die Colostomie als auch die Ileostomie sind Verfahren, bei denen Teile des Darms mit einer Öffnung im Bauch verbunden werden, durch die der Stuhl abfließen kann(künstlicher Darmausgang). Diese Zusammenfassung wird Ihnen helfen, die beiden Verfahren besser zu verstehen.

Anatomie

Die innere Wand der Bauchhöhle besteht aus einer dünnen Gewebeschicht, dem Peritoneum. Diese wird von einer dicken Muskelschicht bedeckt, über die wiederum die Haut gespannt ist. In der Bauchhöhle befinden sich die Leber, der Magen, Milz und der Darm. Geschluckte Nahrung gelangt durch die Speiseröhre in den Magen, wo sie teilweise verdaut wird. Vom Magen aus gelangt die Nahrung in den Dünndarm, wo Nährstoffe weiter verdaut und zum Teil absorbiert werden.

Der Dünndarm besteht aus verschiedenen Teilen: dem Duodenum (Zwölffingerdarm), dem Jejunum, und dem Ileum.

Schließlich gelangen Fasern und verdaute Nahrung in den Dickdarm. Dort werden die restlichen Nährstoffe absorbiert und Stuhl wird produziert.

 
Der Dickdarm hat verschiedene Teile:

  1. "aufsteigender Dickdarm"

  2. "querverlaufender Dickdarm"

  3. "absteigender Dickdarm"

  4. "Krummdarm"

  5. "Mastdarm" und Anus.

Der Stuhl wird zunächst im letzten Teil des Dickdarms, dem Sigma und Rektum, gelagert, bevor er ausgeschieden wird.

Symptome und ihre Ursachen

Die am weitesten verbreiteten Krankheiten des Verdauungstraktes sind Dickdarmkrebs, Divertikulose, Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.

Ungefähr jede 15. Person ist von Dickdarmkrebs betroffen. Wenn er früh diagnostiziert wird, kann Dickdarmkrebs geheilt werden.

Bei Divertikulitis entstehen viele kleine Aussackungen am Dickdarm. Diese werden Diverticulae genannt. Die Diverticulae können sich entzünden, was zu ernsthaften medizinischen Problemen führen kann.

Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa werden auch als entzündliche Darmerkrankungen bezeichnet. Beide Krankheiten verursachen eine Entzündung des Dünn- und Dickdarms und können zu anderen ernsthaften Komplikationen führen.

Während einer Operation am Dünndarm oder Dickdarm kann sich der Chirurg gezwungen sehen, die verbleibenden Teile des Verdauungstraktes durch eine Öffnung in der Bauchdecke nach außen zu legen. Betrifft dies den Dickdarm, wird sie Colostomie genannt. Betrifft sie das Ileum, den letzten Teil des Dünndarms, wird sie Ileostomie genannt.

Colostomie und Ileostomie

Die Öffnung, die während einer Colostomie oder einer Ileostomie an der Außenseite des Bauches geschaffen wird, nennt sich Stoma. Da Colostomie- und Ileostomie-Patienten ihren Stuhlabgang nicht mehr kontrollieren können, werden spezielle Beutel an das Stoma angepasst, um Stuhl und Gase aufzunehmen. Diese Beutel sind luftdicht. Weder Luft noch Flüssigkeiten können nach außen treten. Die Beutel müssen regelmäßig ausgetauscht werden und die Haut um das Stoma herum benötigt spezielle Pflege.

Stomaträger scheiden den Stuhl nicht über das Rektum aus. Jedoch ist es möglich, dass einiger Schleim trotzdem ins Rektum gelangen. Stuhlentleerungen können flüssig oder fest sein, je nachdem wie viel vom Darm übrig ist und wie funktionstüchtig er nach einer Colostomie oder Ileostomie noch ist. Einige Wochen nach der Operation können die Patienten gewöhnlich wieder ihren normalen Alltag aufnehmen.

Die Versorgung des Stoma

Stomas können unterschiedlich groß sein und unterschiedliche Farben haben. Einige beulen sich leicht nach außen, während andere eher nach innen gezogen wirken. Das Aussehen kann, abhängig von der Aktivität des Verdauungstraktes, über den Tag verteilt variieren.

Wird ein Stoma aus Versehen gestoßen, kann es zu einer leichten Blutung kommen; das ist normal.

Es gibt viele unterschiedliche Arten von Beuteln, um den Stuhl zu sammeln. Stomaträger müssen unbedingt sicher stellen, dass der Beutel richtig angeschlossen ist, damit kein Stuhl austreten kann, egal welcher Typ Beutel verwendet wird. Es gibt spezielle Pasten, die eine wasserdichte Versiegelung sicherstellen. Wird ein Beutel ausgetauscht, sollte die umliegende Haut sehr gründlich gereinigt werden. Dafür kann Toilettenpapier verwendet werden. Stomaträger können sich duschen oder baden, ohne einen Beutel am Stoma zu befestigen. Es ist jedoch sehr wichtig, dass die Haut trocken ist, wenn ein neuer Beutel befestigt wird. Mit Scheren oder elektrischen Rasierern können Haare um das Stoma herum gestutzt werden.

Ernährung

Drei oder mehr regelmäßige Mahlzeiten am Tag ermöglichen es dem Stomaträger mit einer geringen Menge an Gasproduktion zu leben. Es ist hilfreich für die Verdauung, wenn die Nahrung gut gekaut wird. Dies verringert außerdem die Möglichkeit, dass das Stoma blockiert wird. Da der Stuhl wässrig sein kann, können Stomaträger viel Wasser verlieren ohne es zu bemerken. Daher ist es enorm wichtig, eine große Menge Flüssigkeit zu sich zu nehmen, besonders bei Hitze oder nach Sport. Wässriger Stuhl verursacht außerdem einen Verlust der beiden Mineralien Natrium und Kalium. Dieser Mangel kann durch eine angepasste Ernährung ausgeglichen werden. Ernährungswissenschaftler können hierfür spezielle Diäten empfehlen.

Es gibt keine spezielle Nahrung, die von Stomaträgern vermieden werden sollte. Dennoch ist es am besten, individuell angepasste Nahrungsmittel zu finden, die keine Blähungen oder schlechten Geruch erzeugen.

Stomaträger sollten ihren Arzt über ihren Zustand informieren. Einige Medikamente werden eventuell nicht mehr vollständig vom verbleibenden Darm aufgenommen und müssen daher ersetzt werden.

Stuhlprobleme

Jeder Stuhlgang einen bestimmten Geruch. Um bei Stomaträgern diese Gerüche gering zu halten, müssen sie sich gut um ihren Magen kümmern. Es ist wichtig, den Beutel bei Bedarf zu leeren und zu wechseln. Spezielle Deos können auch helfen, unangenehme Gerüche zu vermeiden. Testen Sie unterschiedliche Nahrungsgruppen, um herauszufinden, ob Sie mit vermehrter Gasproduktion reagieren.

Einige Nahrungsmittel, die für gewöhnlich Blähungen bei Stomaträgern verursachen sind zum Beispiel Spargel, Blumenkohl, Bohnen, Alkohol, Fisch und Zwiebeln. Manchmal können Nahrungsmittel, die eigentlich Gerüche verursachen, auch helfen diese zu vermeiden, so zum Beispiel Johannisbeersaft und Buttermilch.

Die Gasabsonderung hängt davon ab, wann und wie Nahrung aufgenommen wird. Ein Großteil des Gases ist nämlich nur verschluckte Luft. Da bei schnellem Essen deutlich mehr Luft geschluckt wird, ist es am besten, langsam zu essen. Bei Kaugummikauen oder dem Trinken aus einem Strohhalm kann auch vermehrt Luft geschluckt werden.

Es ist wichtig, regelmäßig Mahlzeiten zu sich zu nehmen. Mahlzeiten auszulassen verstärkt die Gasbildung!

Um zu vermeiden, dass das Stoma verstopft, sollte man gründlich kauen, insbesondere gilt dies für Patienten mit einer Ileostomie. Sellerie, Poppkorn und Nüsse tendieren dazu, im Stoma stecken zu bleiben.

Sexuelle Aktivität

Die sexuelle Funktionsfähigkeit wird gewöhnlich nicht durch eine Ileostomie oder eine Colostomie beeinflusst. Sobald die chirurgischen Einschnitte verheilt sind, spricht nichts dagegen, Geschlechtsverkehr zu haben. Es ist jedoch wichtig, dieses Thema zuerst mit dem Arzt zu besprechen. Die Schnittwunden heilen in der Regel innerhalb von fünf bis sechs Wochen nach der Operation. Ein Stoma-Beutel sollte vor dem Geschlechtsverkehr ausgetauscht werden. Es besteht auch die Möglichkeit, den Beutel mit einem Kleidungsstück zu bedecken, je nachdem, womit sich der Stomaträger wohler fühlt. Einige Sex-Positionen müssen eventuell vermieden werden, um ein Reiben am Stoma zu verhindern. Das Stoma selbst sollte während dem Geschlechtsverkehr so wenig wie möglich berührt werden. Es dürfen keine Gegenstände ins Stoma eingeführt werden.

Besondere Anzeichen

Stomaträger sollten Situationen erkennen können, in denen es dringend notwendig ist, den Arzt zu rufen. Die folgenden Anzeichen würden einen Anruf beim Arzt unbedingt erforderlich machen: Durchfall, der länger als einen Tag anhält; ernsthafte Blutungen im Stoma-Bereich; eine Schwarzfärbung des Stomas; große Schmerzen im Bauchraum; Blähungen; Fieber; Austritt von Flüssigkeit um das Stoma; eine Wölbung des Stomas (das könnte einen Bauchwandbruch bedeuten). Bei einem Bauchwandbruch schieben sich die inneren Organe des Bauchraums durch die Muskeln unter die Bauchhaut.

Zusammenfassung

Dies meisten Stomaträger führen ein aktives Leben. Es ist essentiell, das Stoma gut zu versorgen und zu wissen, welche Symptome zu kritischen Situationen führen können. Stomaträger müssen ihren Arzt kontaktieren, sollten oben benannte Symptome auftreten. Je früher die Probleme erkannt werden, desto größer sind die Chancen auf deren Korrektur.

 

 

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