Organe & Erkrankungen | Nebenschilddrüse
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Anatomie
Erkrankungen der
Nebenschilddrüse
Indikationen zur Operation
Operative Therapie
Komplikationen
Nachsorge
Anatomie
In den Nebenschilddrüsen wird das Parathormon gebildet, das den
Calciumstoffwechsel des Körpers reguliert. Das Parathormon hat eine
direkte Wirkung auf Knochen und Nieren. Wird von den
Nebenschilddrüsen zu viel Parathormon produziert, erhöht sich der
Calciumspiegel im Blut auf krankhafte und krankmachende Werte.
Die vier Nebenschilddrüsen (oder Epithelkörperchen) befinden sich in enger anatomischer Beziehung zur Schilddrüse. Normalerweise entspricht ihre Größe derjenigen eines Apfelkerns.
Erkrankungen
der Nebenschilddrüse
Bei einer primären Überfunktion der Nebenschilddrüsen (primärer
Hyperparathyreoidismus) findet sich als Ursache in etwa 80% der
Fälle ein solitäres Adenom. Die Symptome einer
Nebenschilddrüsenüberfunktion sind Störungen der Nierenfunktion
(Nierensteine, Niereninsuffizienz), des Knochenstoffwechsels
(Osteoporose, Knochenschmerzen) sowie depressive Verstimmungen. In
seltenen Fällen kommt es auch bei angeborenen familiären endokrinen
Tumorerkrankungen (MEN-Syndrome) zum Auftreten eines primären
Hyperparathyreoidismus.
Als sekundärer und tertiärer Hyperparathyreoidismus werden
regulative Veränderungen der Nebenschilddrüsenfunktion mit einer
Vergrößerung aller 4 Nebenschilddrüsen aufgrund einer schweren
chronischen Niereninsuffizienz oder nach Nierentransplantation
bezeichnet.
Indikationen zur
Operation
- Erhöhter Serumcalciumwert von über 2,8 mmol/l
- Nachweis einer verminderten Knochendichte bei
Hyperparathyreoidismus
- Auftreten von Nierensteinen bei Hyperparathyreoidismus
Operative Therapie
Die Operation der Nebenschilddrüsen erfolgt immer in Vollnarkose.
Zur Vermeidung einer Funktionsstörung der Stimmbandnerven erfolgt an
unserer Klinik eine Darstellung der Stimmbandnerven und eine
Überprüfung der Funktion durch ein Stimulationsgerät (Neuromonitoring).
Durch die vor der Operation durchgeführten Untersuchungen
(Sonografie, Szintigrafie) kann der Operateur beim primären
Hyperparathyreoidismus, im Falle einer positiven
Lokalisationsdiagnostik, gezielt auf das vergrößerte
Nebenschilddrüsenadenom zugehen und dieses vollständig entfernen.
Noch in der Operation erfolgt, 15 Minuten nach Entfernung des
Adenoms, eine laborchemische Bestimmung des Parathormonwertes der
auf 10 - 20% des Ausgangswertes vor der Operation abgefallen sein
muss. Nach einer zusätzlichen Bestätigung der Diagnose eines
entfernten Nebenschilddrüsenadenoms durch einen Pathologen
(Schnellschnitt-Untersuchung) wird die Operation beendet. Die
Entfernung eines Nebenschilddrüsen-adenoms kann in ausgewählten
Fällen auch als so genannte minimal invasive videoassistierte
Operation (MIVAP) erfolgen. Eine individuelle Besprechung der Vor-
und Nachteile der einzelnen operativen Vorgehensweisen erfolgt in
unserer Sprechstunde oder vor der Operation auf Station mit dem
zuständigen Stationsarzt.
Bei Vorliegen einer sekundären oder tertiären Überfunktion der
Nebenschilddrüsen werden alle 4 Nebenschilddrüsen operativ
dargestellt und entfernt. Zur Aufrechterhaltung des
Calciumstoffwechsels wird eine halbe Nebenschilddrüse in den
Unterschenkel replantiert.
Trotz einer sehr präzisen Operationstechnik kann es auch an spezialisierten Zentren in seltenen Fällen zum Auftreten von Komplikationen nach Nebenschilddrüsenoperationen kommen.
- Lähmung des Stimmbandnerven (Recurrensparese)
Eine einseitige Schädigung des Stimmbandnerven führt zum Auftreten
einer Heiserkeit. Bei einer beidseitigen Schädigung der
Stimmbandnerven resultiert eine tonlose Stimme verbunden mit einer
Schluckstörung. Ursache für den Funktionsverlust des Stimmbandnerven
ist praktisch nie eine Durchtrennung des Nerven, sondern meist eine
Funktionsstörung durch Druck oder Zug. Eine Rückbildung der nach
einer Schilddrüsenoperation bestehenden Heiserkeit findet in der
Mehrzahl der Fälle nach einigen Wochen bis Monaten statt.
- Funktionsstörung der Nebenschilddrüsen
Nach einer vollständigen Entfernung aller vier Nebenschilddrüsen mit
Replantation einer halben Nebenschilddrüse kann, meist nur
vorübergehend nach der Operation ein Calciummangel, der sich in Form
von Muskelkrämpfen äußert, auftreten. Zur Behandlung der Symptome
werden Calciumtabletten verabreicht.
Nachsorge
In den Stunden nach der Nebenschilddrüsenoperation erfolgt eine
klinische Überwachung der Herz-Kreislauf-Parameter, eine Kontrolle
des Verbandes und der eingelegten Wunddrainagen sowie eine
Laboruntersuchung mit Bestimmung der Calciumwerte.
Die Wunddrainagen werden am 1. Tag nach der Operation entfernt, der
Hautfaden wird am 3. - 4. postoperativen Tag gezogen. Am 2.
postoperativen Tag erfolgt eine Hals-Nasen-Ohren-ärztliche
Untersuchung zur Kontrolle der Stimmbandfunktion. Vor der Entlassung
aus der Klinik erfolgt ein abschließendes Gespräch mit den
behandelnden Ärzten zur Besprechung des Befundes der feingeweblichen
Untersuchung (Histologie) und einer Festlegung des weiteren
Vorgehens. Die weitere Betreuung übernimmt dann Ihr Hausarzt bzw.
der behandelnde Endokrinologe.
