Klinik für Viszeral- und Thoraxchirurgie

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Die Schilddrüse ist ein wichtiges Organ, das dabei hilft, die Körperfunktionen zu regulieren. Sie kann von verschiedenen Krankheiten betroffen sein. Diese Krankheiten sind weit verbreitet und betreffen viele Menschen, können in den meisten Fällen aber leicht behandelt werden.
Die Zusammenfassung erklärt die häufigsten Krankheiten der Schilddrüse und deren mögliche medikamentöse und chirurgische Behandlungen.


Anatomie und Funktion
Schilddrüsen-Unterfunktion

Schilddrüsen-Überfunktion

Knoten

Schilddrüsenkarzinom
Diagnose

Behandlungsmöglichkeiten

Chirurgische Eingriffe

Risiken und Komplikationen

Nach dem Eingriff

Zusammenfassung

Anatomie und Funktion

Die Schilddrüse 1 ist schmetterlingsartig geformt und sitzt im vorderen Bereich des Halses direkt unter dem Adamsapfel. Sie ist teilweise um die Luftröhre geschlungen. Hinter der Luftröhre liegt die Speiseröhre. Hinter der Schilddrüse befinden sich weitere kleine Drüsen, die als Nebenschilddrüsen bezeichnet werden.
Zwei wichtige Nerven laufen auf ihrem Weg zum Kehlkopf und zu den Stimmbändern hinter der Schilddrüse. Diese Nerven kontrollieren die Stimmbänder und werden als Recurrens-Nerven bezeichnet.
Die Hauptfunktion der Schilddrüse ist es, die Schilddrüsenhormone zu produzieren. Diese kontrollieren, wie viel Stoffwechsel-Energie der Körper verbrennt. Um die Hormone herzustellen, wird Jod aus dem Blut benutzt.
Eine kleine Drüse im Schädel unter dem Gehirn, die Hirnanhangsdrüse, kontrolliert die Menge der Schilddrüsenhormone im Blut. Sie sondert das Schilddrüsenstimulierende Hormon, das TSH ab. TSH veranlasst die Schilddrüse, Hormone zu bilden.
Die Nebenschilddrüsen produzieren ein Hormon (PTH), das dem Körper hilft ein gesundes Maß an Calcium im Blut aufrecht zu erhalten.


Schilddrüsen-Unterfunktion (Hypo-Thyreoidismus)
Wenn die Schilddrüse nicht genug Hormone produziert, entwickelt sich ein Hypo-Thyreoidismus. "Hypo" bedeutet wenig. Die verminderte Zufuhr von Schilddrüsenhormonen verlangsamt den Stoffwechsel. Dies kann zu einem Gefühl der Ermüdung, langsamen Denken oder sogar zu einer Depression führen.
Eine Gewichtszunahme ist sehr wahrscheinlich, da der Körper nicht mehr so viele Kalorien verbraucht wie vor der Erkrankung. Außerdem neigen Patienten dazu zu frieren, da ihr Körper die normale Temperatur nicht aufrecht erhalten kann. Verstopfung oder heftigere Menstruationen können weiterhin die Folge eines Hypo-Thyreoidismus sein. Haut, Haare und Nägel werden trocken und brüchig.
Die Schilddrüsen-Unterfunktion kann durch einen Mangel an Jod verursacht werden. Die Schilddrüse versucht diesen Mangel zu regulieren, indem sie anschwillt. Dies wird als Kropf (Struma) bezeichnet.
Eine Krankheit, die Hashimoto genannt wird, kann eine Unterfunktion verursachen. Dabei missversteht das körpereigene Immunsystem das Gewebe der Schilddrüse als fremdes Material und attackiert es. Diese Angriffe können das Gewebe zerstören und eine Unterfunktion hervorrufen.
Tumore, die die Hirnanhangsdrüse befallen, können den Bereich beschädigen, der für die Absonderung von TSH verantwortlich ist. Ohne TSH produziert die Schilddrüse aber keine Hormone, was auch zur Unterfunktion führt.

Schilddrüsen-Überfunktion (Hyper-Thyreoidismus)
Wenn die Schilddrüse einen Überschuss an Hormonen produziert, entsteht ein Hyper-Thyreoidismus. "Hyper" bedeutet mehr. Ein Hyper-Thyreoidismus lässt Patienten nervös und unruhig werden. Ihr Herzschlag ist beschleunigt und kann sogar unregelmäßig werden. Auch der Blutdruck kann höher als gewöhnlich sein. Es kann zu einer Gewichtsabnahme kommen, auch wenn die Patienten mehr essen als normalerweise.
Patienten, die von einer Überfunktion betroffen sind, können sich durch die Nervosität und Hyperaktivität erschöpft fühlen. Außerdem ist ihnen selbst in kühlen Umgebungen warm.
Andere Symptome einer Überfunktion beinhalten leichtere oder kürzere Menstruationen, eventuell Durchfall und Haarausfall.
Ein Phänomen namens BASEDOW-Erkrankung verursacht normalerweise eine Überfunktion. Dabei produziert die Schilddrüse mehr Hormone. Ein Hervortreten der Augen, auch bekannt als Exophtalmus, kann außerdem auftreten.
Manchmal wird ein Knoten in der Schilddrüse aus keinem offensichtlichen Grund überaktiv und verursacht eine Überfunktion (autonomes Adenom).

Knoten
Die Schilddrüse kann kleine Knoten wie Tumore, Zysten oder Krebs entwickeln. Diese Knoten können vom Patienten schon vor einem Arztbesuch gesehen oder ertastet werden. Die meisten Knoten an der Schilddrüse sind nicht krebsartig, also gutartig. In den meisten Fällen beeinflussen sie nicht die Hormonproduktion der Schilddrüse.

Diagnose
Um Probleme an der Schilddrüse zu diagnostizieren wird zum einen der medizinische Hintergrund des Patienten zu Rate gezogen, zum anderen dessen Familiengeschichte. Einige Schilddrüsenkrankheiten sind vererblich.
Auch eine eingehende Untersuchung der Schilddrüse selbst, der Herzfrequenz und des Blutdrucks sind wichtig. Mit Blutanalysen kann die Menge der Schilddrüsenhormone und des TSH bestimmt werden. Besteht Grund zu der Annahme, dass die Hirnanhangsdrüse für die Krankheit der Schilddrüse verantwortlich ist, können weitere Hormontest die Folge sein.
Spezielle Tests mit schwach radioaktivem Jod können zeigen, ob Teile der Schilddrüse über- oder unteraktiv sind (Scintigraphie). Die hyperaktiven Knoten, die das radioaktive Jod aufnehmen und auf dem Bildschirm aufleuchten, werden "heiße" Knoten genannt. Wird das Jod nicht aufgenommen, spricht man von "kalten" Knoten.
Auch mit Ultraschall kann die genaue Lage und Größe von Knoten bestimmt werden. Diese Methode gibt auch Aufschluss darüber, ob der Knoten fest ist, oder ob sein Zentrum aus Flüssigkeit besteht.
Mit Hilfe einer Biopsie kann festgestellt werden, ob der Knoten ein Krebsgeschwür ist. Dabei wird eine kleine Nadel in die Schilddrüse eingeführt und Gewebe wird entnommen. Das Labor nimmt die weiteren Tests vor.

Behandlungsmöglichkeiten
Die meisten Unterfunktions-Krankheiten können über die orale Einnahme von zusätzlichen Hormonen behandelt werden.
Manchmal tritt eine Verbesserung bei hyperaktiven Schilddrüsen spontan und ohne Behandlung ein, wenn die Entzündung, die die Hyperaktivität verursacht, abklingt. Während der hyperaktiven Periode können aber Medikamente verabreicht werden, die den Herzschlag verlangsamen.
Tritt mit der Zeit allerdings keine Verbesserung des hyperthyreoten Zustandes ein, können Medikamente verschrieben werden, um den Überfluss an Schilddrüsenhormonen zu stoppen. Sollte dies nicht funktionieren, kann radioaktives Jod verabreicht werden, um das hyperaktive Schilddrüsengewebe zu zerstören. Dies kann allerdings zur totalen Zerstörung der Schilddrüse führen, was wiederum eine Unterfunktion. Der Hypothyreoidismus kann dann mit Ersatzhormonen in Form von Medikamenten behandelt werden.
Ein chirurgischer Eingriff wird gewöhnlich dann empfohlen, wenn sich hyperaktive Knoten in der Schilddrüse befinden, die weder mit Medikamenten noch mit radioaktivem Jod behandelt werden können oder sollen oder wenn kalte Knoten vorliegen.

Chirurgische Eingriffe
Eingriffe an der Schilddrüse werden unter Vollnarkose durchgeführt. Durch einen kleinen, ästhetischen Schnitt am Ende des Halses wird mit Hilfe einer Lupenbrille Zugang zur Schilddrüse erlangt. Dann wird je nach vorliegender Erkrankung erkranktes Schildrüsengewebe entnommen. Der Einschnitt wird mit ganz feinen, selbstauflösenden Fäden verschlossen. Nach dem Eingriff wird der Patient für ein oder zwei Tage zur Beobachtung im Krankenhaus bleiben, bevor er nach Hause entlassen wird.

Risiken und Komplikationen
Eingriffe an der Schilddrüse sind sehr sicher. Es gibt jedoch einige verschiedene Risiken und Komplikationen. Sie sind zwar unwahrscheinlich, aber dennoch möglich. Sie sollten darüber informiert sein, für den Fall, dass wirklich eine Komplikation auftreten sollte. Dadurch können Sie Ihrem Arzt helfen, frühzeitig mögliche Schwierigkeiten zu erkennen.
Die Risiken und Komplikationen betreffen einerseits die Vollnarkose, andererseits die Art des Eingriffs. Risiken, die die Vollnarkose betreffen schließen unter anderem ein: Schlaganfälle, Nierenversagen, Lungenentzündungen und Thrombosen in den Beinen.
Ihr Anästhesist wird diese Risiken genauer mit Ihnen besprechen.
In den Beinen können Thrombosen auftreten. Gewöhnlich werden solche Thrombosen einige Tage nach dem Eingriff festgestellt. Sie können eine Schwellung des Beins und Schmerzen verursachen. Thrombosen können jedoch aus den Beinen über die Blutbahn in die Lunge gelangen, wo sie Atemnot, Brustschmerzen und möglicherweise den Tod zur Folge haben. Manchmal entsteht eine Atemnot akut. Es ist daher extrem wichtig es Ihrem Arzt mitzuteilen, falls diese Symptome auftreten.
Einige der Risiken betreffen chirurgische Eingriffe im Generellen. Diese sind aber selten. Sie schließen ein: Infektionen, die eventuell mit Antibiotika behandelt werden müssen; Blutungen, die eine Bluttransfusion erforderlich machen; Narben, die unangenehm oder unschön sein können.
Andere Risiken und Komplikationen betreffen speziell Eingriffe an der Schilddrüse. Dieses sind wiederum sehr selten. Es ist dennoch wichtig, über sie informiert zu sein.
Die Stimmband-Nerven, die bei der Steuerung der Stimmbänder im Kehlkopf helfen, könnten beschädigt werden. Dies könnte zu vorrübergehender oder permanenter Heiserkeit führen. In seltenen Fällen kann dies einen Luftröhrenschnitt erforderlich machen. Dabei wird ein spezieller Schlauch in die Luftröhre eingeführt, um die Atmung zu erleichtern. Es ist normal, dass unmittelbar nach der Operation Heiserkeit auftritt. Jedoch sollte sie nicht länger als zwei oder drei Wochen anhalten.
Die Nebenschilddrüsen könnten verletzt werden, was zu einem Calciummangel im Blut führen kann. Mit permanenter Calciumzufuhr kann dieser Mangel aber leicht behoben werden. Falls er nicht behandelt wird, kann Calciummangel allerdings ernste Auswirkungen haben.
Die Symptome eines Calciummangels treten etwa 24 bis 48 Stunden nach der Operation auf. Nervosität und unkontrollierte Muskelzuckungen können die Folge sein.
Andere Risiken, die allerdings sehr selten sind, schließen Verletzungen an der Luft- und Speiseröhre und den Blutgefäßen im Hals ein.

Nach dem Eingriff
Sie sollten sich innerhalb von zwei bis drei Wochen von dem Eingriff erholt haben und zu Ihrem normalen Leben zurückfinden. Dies hängt jedoch von Ihrem Zustand ab. Ihr Arzt wird Ihnen mitteilen, wenn Sie wieder arbeiten können.
Vermeiden Sie nach dem Eingriff anstrengende Aktivitäten und halten Sie die Schnittwunde am Hals unbedingt trocken. Kontaktieren Sie Ihren Arzt, wenn der Einschnitt blutet oder anschwillt oder Sie Anzeichen einer Infektion (zum Beispiel Fieber) bemerken. Eventuell müssen Sie nach der Operation Ersatzhormone einnehmen. Ihr Arzt wird die Dosis der Hormone anhand von Bluttests individuell an Sie anpassen, so dass die Schilddrüsenhormone wieder eine normale Konzentration erreichen.

Zusammenfassung
Schilddrüsenprobleme sind weit verbreitet. Die meisten können jedoch leicht behandelt werden. Alle verschriebenen Medikamente, die Teil der Behandlung sind, müssen genau nach Vorschrift eingenommen werden.
Eingriffe an der Schilddrüse sind sehr sicher. Sie können Ihren Alltag rasch wieder aufnehmen.
Es besteht die Möglichkeit einiger Komplikationen. Es hilft Ihnen, über diese aufgeklärt zu sein, um sie möglichst früh zu erkennen, falls sie tatsächlich eintreten.

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