Behandlung bei Divertikulose

Divertikulose ist weit verbreitet und kann zu potentiell lebensgefährlichen Komplikationen führen. Ihr Arzt wird daher eine chirurgische Entfernung des betroffenen Darmteiles empfehlen. Die Entscheidung für oder gegen eine Operation liegt jedoch bei Ihnen. Diese Zusammenfassung wird Ihnen dabei helfen, die Vor- und Nachteile eines chirurgischen Eingriffes bei Divertikulose zu verstehen.

Anatomie

Dickdarm
Dickdarm

Der Dickdarm ist der letzte Teil der Eingeweide. Gekaute Nahrung gelangt durch die Speiseröhre in den Magen, wo sie teilweise verdaut wird. Vom Magen wird die Nahrung in den Dünndarm geleitet, wo Nährstoffe weiter verdaut und zum Teil absorbiert werden. Fasern und verdaute Nahrung erreichen schließlich den Dickdarm. Dort werden die restlichen Nährstoffe absorbiert und der Stuhl entsteht. Dieser wird im letzten Teil des Dickdarms, dem Krummdarm (Sigma) und dem Rektum gesammelt, bevor er ausgeschieden wird. 

   Der Dickdarm hat verschiedene Teile:

  • A : "aufsteigender Ast"
  • B : "querverlaufender Ast"
  • C : "absteigenden Ast"
  • D : Sigma
  • E : Rektum (Mastdarm) und Anus.

Symptome und ihre Ursache

Durch eine Verstopfung kann der Stuhl sich verhärten. Dadurch wird der Dickdarm gezwungen, bei Ausscheiden des Stuhls mehr Druck aufzuwenden. Dieser erhöhte Druck verursacht Aussackungen in der Wand des Dickdarms. Diese Aussackungen werden Diverticulae genannt. Die meisten Diverticulae befinden sich im Sigma. Die Kombination aus Aussackungen und Infektionen verursacht Schmerzen im Unterbauch und eventuell Fieber. Dies wird Divertikulitis genannt. Reißt eine der Diverticulae auf, kann sich die Infektion auf den ganzen Bauchraum ausbreiten. Dies wird als Peritonitis (Bauchfellentzündung) bezeichnet. Eine Peritonitis kann den Tod zur Folge haben.

Endoskopische Untersuchungen (Spiegelung des Darms) helfen Ihrem Arzt, das Ausmaß der Krankheit festzustellen. Während der Untersuchung benutzt Ihr Arzt ein spezielles flexibles Endoskop, das durch das Rektum eingeführt wird, um in den Dickdarm sehen zu können. Manchmal kann auch eine Röntgenuntersuchung nötig sein. Dabei wird der Dickdarm zuerst mit flüssigem Kontrastmittel gefüllt und anschließend geröntgt.

Alternative Behandlungen

Eine Nahrungsumstellung kann helfen. Dabei sollten Sie mehr faserreiche Lebensmittel und viel Flüssigkeit zu sich nehmen. Dadurch wird der Stuhl weicher und kann den Darm leichter passieren. Sollten diese Maßnahmen keine Wirkung zeigen oder eine der Diverticulae platzen, wird Ihr Arzt eine Operation empfehlen, um den von der Krankheit betroffenen Teil des Dickdarms zu entfernen.

Chirurgische Behandlung

Vor der Operation wird der Darm gründlich gereinigt, um das Infektionsrisiko zu verringern. Dazu werden starke Abführmittel oder Einläufe verwendet. Alternativ kann der Patient auch eine große Menge Flüssigkeit am Abend vor der Operation zu sich nehmen, um den Darm auszuspülen. Der Eingriff wird unter Vollnarkose durchgeführt, während der Patient schläft.

In der Mitte des Bauches wird ein Längseinschnitt vorgenommen. Durch den nun zugänglichen Bauchraum wird der betroffene Teil des Dickdarms entfernt. Die verbleibenden Darmteile werden wieder zusammengenäht. Dies wird als Anastomose bezeichnet. Manchmal muss der Chirurg den verbleibenden Darm zur Außenseite des Bauches verlegen. Dies wird Colostomie genannt. Die Maßnahme wäre z.B. nötig, wenn die Diverticulae geplatzt sind und sich die Infektion ausgebreitet hat.

Bei einer Colostomie wird ein Beutel über die Darmöffnung an der Bauchaußenseite gelegt, um den Stuhl zu sammeln. Die Kontrolle über den Stuhlgang geht dabei verloren. Allerdings kann der Darm nach drei bis sechs Monaten wieder verbunden werden. Dies macht eine weitere Operation erforderlich. Die Kontrolle über den Stuhlgang wird zurückerlangt.

Der ganze Eingriff kann auch minimal invasiv laparoskopisch durch mehrere kleinere Einschnitte in die Bauchwand durchgeführt werden.

Risiken und Komplikationen

Diese Art der Chirurgie ist sehr sicher. Es gibt jedoch einige verschiedene Risiken und Komplikationen. Sie sind zwar unwahrscheinlich, aber dennoch möglich. Sie sollten darüber informiert sein, für den Fall, dass wirklich eine Komplikation auftreten sollte. Dadurch können Sie Ihrem Arzt helfen, frühzeitig mögliche Schwierigkeiten zu erkennen.

Die Risiken und Komplikationen betreffen einerseits die Vollnarkose, andererseits die Art des Eingriffs. Risiken, welche die Vollnarkose betreffen schließen unter anderem ein: Schlaganfälle, Nierenversagen, Lungenentzündungen und Thrombosen in den Beinen.

Ihr Anästhesist wird diese Risiken genauer mit Ihnen besprechen.

In den Beinen können Thrombosen auftreten. Gewöhnlich werden solche Thrombosen einige Tage nach dem Eingriff festgestellt. Sie können eine Schwellung des Beins und Schmerzen verursachen. Thrombosen können jedoch aus den Beinen über die Blutbahn in die Lunge gelangen, wo sie Atemnot, Brustschmerzen und möglicherweise den Tod zur Folge haben. Manchmal entsteht eine Atemnot akut. Es ist daher extrem wichtig, es Ihrem Arzt mitzuteilen, falls diese Symptome auftreten. Eine kurze Liegezeit nach der Operation kann das Risiko von Thrombosen verringern.

Einige der Risiken sind dagegen genereller Natur was einen chirurgischen Eingriff betrifft:

  • Infektionen, tief liegende oder der Haut. Die Infektionen können den Einschnitt im Bauch betreffen. Tief liegende Infektionen können sich jedoch in der Bauchhöhle selbst ausbreiten. Dies wird als Peritonitis bezeichnet. Eine Behandlung solch tief liegender Infektionen kann den Gebrauch von Antibiotika über einen längeren Zeitraum beinhalten, sowie eventuell eine erneute Operation.
  • Blutungen, entweder während oder nach der Operation. Die kann eine Bluttransfusion oder ebenfalls eine erneute Operation zur Folge haben.
  • Die Nähte des Baucheinschnittes könnten platzten, was eine weitere Operation zur Folge haben würde.

Andere Risiken und Komplikationen betreffen speziell diese Art des Eingriffs. Diese sind allerdings auch sehr selten. Dennoch ist es wichtig, darüber informiert zu sein.

Folgende Probleme können auftreten:

  • die Milz könnte verletzt werden
  • Darm und Magen könnten verletzt werden
  • die Nieren, die Harnblase und die Harnleiter könnten verletzt werden
  • weibliche innere Organe wie der Uterus und die Eileiter können verletzt werden
  • die Blutgefäße, die zu den unteren Extremitäten führen, könnten betroffen werden.

Eine Verletzung an diesen Organen kann permanenter Natur sein und weitere Operationen erforderlich machen. Dies kommt jedoch nur sehr selten vor.

Durch den Einschnitt im Bauch können Brüche entstehen. Dies geschieht, wenn die innere Bauchwand schwach ist und die Eingeweide durch sie hindurch in die Haut drücken. Brüche machen eine erneute Operation nötig.

Eine weitere mögliche Komplikation ist der Bruch der Anastomose, das heißt des Bereichs, an dem die beiden Darmenden verbunden sind. Dies kann zu Infektionen im Bauchraum führen, die eine Operation und eine Colostomie nach sich ziehen würden.

Eine Divertikulose kann erneut entstehen, auch in anderen Teilen des Darms. Daher sollten Sie Ihre Ernährung umstellen, um das Risiko zu vermindern.

Nach dem Eingriff

Nach der Operation wird der Patient zuerst in den Aufwachraum und dann in einen normalen Raum verlegt.

Abhängig, wie der Magendarm-Trakt seine Tätigkeit nach der Operation wieder aufnimmt, werden Sie mit der Nahrung wieder aufgebaut, beginnend mit Tee, dann flüssiger Kost, passierter Kost, schließlich leichter und normaler Kost. Beim minimal invasiven laparoskopischen Eingriff beginnt der Nahrungsaufbau in der Regel am zweiten postoperativen Tag.

Zusammenfassung

Divertikulose ist eine weit verbreitete Krankheit, die in den meisten Fällen eine Operation erforderlich macht. Wenn ein chirurgischer Eingriff empfohlen wird, ist er sehr erfolgreich. Dickdarmchirurgie ist sehr sicher. Risiken und Komplikationen sind sehr selten. Über sie informiert zu sein, hilft jedoch dabei, sie möglichst früh zu erkennen und zu behandeln.


Letzte Änderung am:  29. September, 2015
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