Chemotherapie

Chemotherapie mit zytotoxischen Medikamenten

Dieser Artikel gibt eine generelle Übersicht über die Chemotherapie. Er gibt keinen Überblick über die individuelle Chemotherapie sowie Medikamente und ihre Anwendung auf ihren individuellen Krebs. Sie sollten Ihren eigenen Fall und Ihre dafür verwendete Therapie mit Ihrem Arzt besprechen.

Was ist Chemotherapie?

Chemotherapie bedeutet wörtlich "Medikamentenbehandlung". Nichts desto trotz hat der Begriff Chemotherapie eine feststehende Bedeutung für die Behandlung von Krebs unter Verwendung von Antikrebsmedikamenten (so genannte zytotoxische Medikamente) erhalten.

Es gibt noch andere Typen von Antikrebsmedikamenten, z.B. Medikamente, die den Effekt von bestimmten Hormonen blockieren werden bei der Behandlung von hormonbildenden Krebsen verwendet. Monoklonale Antikörper und andere Medikamente, die das Immunsystem betreffen, werden zur Behandlung bestimmter Krebsarten verwendet usw. Diese Krebsmedikamente werden in diesem Artikel nicht behandelt.

Was sind zytotoxische Medikamente und wie funktionieren diese?

Zytotoxische Medikamente sind toxisch (giftig) gegenüber Krebszellen. Sie töten Krebszellen oder hindern sie an der Vervielfältigung. Verschiedene zytotoxische Medikamente machen dies in unterschiedlicher Art und Weise. Allen gemeinsam ist, dass diese Medikamente in irgendeiner Weise darauf einwirken, wie eine Zelle sich teilt und vervielfältigt. Z.B. funktionieren einige dieser Medikamente, indem sie das genetische Material der Zelle direkt verändern, andere blockieren den Stoffwechsel, damit die Zelle sich nicht mehr teilen kann.

Oft werden zwei oder mehrere zytotoxische Medikamente während eines Chemotherapiezyklus benutzt, jeder mit unterschiedlicher Wirkungsweise. Diese Kombination kann die Erfolgschance verbessern, als wenn man ein Medikament alleine benutzt.

Es gibt mehr als 30 unterschiedliche zytotoxische Medikamente. In jedem Falle richtet sich die Auswahl der verwendeten Medikamente nach dem Typ und Stadium des zu behandelnden Krebses. Die Forschung versucht immer neue Medikamente zu finden und damit immer bessere Medikamentenkombinationen zu erzielen. Ihr Arzt wird die bestmögliche Behandlungsmöglichkeit für Ihren Krebstyp aussuchen und sich nach den Daten der jeweiligen Forschungsergebnisse orientieren.

Zytotoxische Medikamente funktionieren am besten bei Krebstypen, bei denen sich die Krebszelle schnell teilt und vervielfältigt. Die meisten normalen Zellen des Körpers, wie z.B. Muskelzellen, Herzzellen, Hirnzellen, Knochenzellen usw. teilen und vervielfältigen sich nicht sehr oft. Sie sind gewöhnlich nicht durch zytotoxische Medikamente wesentlich zu beeinträchtigen. Nichts desto trotz gibt es einige normale Zellen im menschlichen Körper, die sich ebenfalls sehr schnell teilen und vervielfältigen, z.B. sind dies die Haare, Knochenmarkszellen, Zellen die den Mund und den gastrointestinalen Trakt auskleiden. Diese werden durch eine Therapie mit zytotoxischen Medikamenten ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen und führen zu den Nebenwirkungen (s. weiter unten). Aber generell kann man sagen, dass normale Zellen sich selbst besser erneuen können als Krebszellen und sich gewöhnlich nach einer erfolgten Behandlung besser wiederherstellen können.

Was sind die Ziele einer Chemotherapie?

Chemotherapie und andere Behandlungen haben das Ziel die Heilung des Krebs

Eine Heilung ist in vielen Fällen das Ziel. Einige Krebsarten können durch eine Chemotherapie alleine geheilt werden. Manchmal wird eine Chemotherapie als Erweiterung einer anderen Behandlung gebraucht, z. B. kann man über einen chirurgischen Eingriff einen Tumor entfernen und danach einen Zyklus einer Chemotherapie anschließen. Diese hat zum Ziel, jede Krebszelle, die sich vom Primärtumor entfernt hat, zu töten. Unbehandelt können diese vom Tumor entfernten Zellen zu einer späteren Zeit selbst einen Tumor bilden.

Wenn die Chemotherapie nach einer anderen Behandlung, wie z. B. einem operativen Eingriff eingesetzt wird, nennt man diese eine adjuvante Chemotherapie. Manchmal wird eine Chemotherapie vor einem chirurgischen Eingriff oder einer Strahlentherapie benutzt, so dass diese anderen Behandlungsmöglichkeiten eher zu einem Erfolg führen. Wenn eine Chemotherapie vor einer anderen Behandlung gegeben wird, nennt man diese neoadjuvante Chemotherapie. 

Ärzte neigen dazu das Wort „Remission“ anstatt dem Wort „Heilung“ zu verwenden. Remission bedeutet, dass nach einer Behandlung es keinen Nachweis des Krebses gibt. Wenn Sie „in Remission sind“ können Sie geheilt sein. Nichts desto trotz kann in manchen Fällen ein Carcinom nach Monaten oder Jahren später erneut auftauchen. Das ist der Grund, warum Ärzte auf die Verwendung des Wortes Heilung meistens verzichten.

Chemotherapie und andere Behandlungsmöglichkeiten haben zum Ziel einen Krebs zu kontrollieren

Wenn eine Heilung nicht realistisch erscheint, ist es oft möglich mit einer Behandlung das Wachstum eines Carcinoms oder die Streuung zu beschränken und damit das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Dies kann dazu führen, dass man für eine längere Zeit symptomfrei ist.

Chemotherapie zur Erleichterung der Symptome

Diese Form der Therapie nennt man palliative Chemotherapie. Wenn eine Heilung nicht möglich ist oder die Prognose sehr schlecht ist, kann man trotz allem einen Zyklus Chemotherapie verabreichen, um die Tumorgröße zu reduzieren. Dies kann Symptome, wie z.B. Schmerz oder Kompressionssyndrome, des Tumors erleichtern.

Wie wird eine Chemotherapie verabreicht?

Die Medikamente werden gewöhnlich direkt in den Blutstrom injiziert, damit sie alle Bereiche des Körpers und damit auch alle zerstreuten Krebszellen erreichen können.

Intravenöse Chemotherapie

Um in den Blutstrom zu gelangen werden viele zytotoxische Medikamente direkt mit einer Injektion in eine Vene verabreicht.

Manchmal wird die Dosis eines Medikamentes nur in eine Vene injiziert (z. B. über eine Spritze). 

  • Manche Medikamente werden in einer Infusion gegeben, damit sie tropfenweise in die Vene über eine Venenkanüle gelangen können. Diese Methode ermöglicht es, das Medikament zu verdünnen und damit die Vene weniger zu reizen. Manchmal kann es einige Stunden dauern, bevor die Medikamentendosis komplett in den Blutstrom gelangt ist. Kleine Pumpen werden oft dazu benutzt (Infusomaten oder Spritzenpumpen), damit die Lösung in einer fest eingestellten Rate in die Vene tropfen kann. 
  • In manchen Fällen wird ein langer dünner Plastikschlauch (ein Katheter) mit einem chirurgischen Eingriff in einer tieferen größeren Vene verankert. Er kann so Monate dort bleiben, bis der Chemotherapiezyklus beendet ist. Das bedeutet, dass Sie nicht immer wieder Injektionen erhalten müssen. Medikamente können in diesen Katheter injiziert oder mit Infusionen verabreicht werden, wann immer sie benötigt werden. 
  • Diese Methode, die Chemotherapie zu verabreichen, findet immer mehr Verbreitung. Man kann aus diesem Katheter auch Blutproben entnehmen, die während dem Zyklus einer Chemotherapie oft benötigt werden. Eine besondere Pflege ist notwendig, um den Katheter sauber und infektionsfrei zu halten. 
  • Manchmal kann eine verlängerte Infusion eines Medikamentes über solch einen Katheter über 4 Tage oder sogar Wochen erfolgen.

 

 

Chemotherapie zum Schlucken

Manche Chemotherapiemedikamente können als Tablette oder Flüssigkeit mit dem Mund aufgenommen werden, diese werden über den Magendarmtrakt über den Blutstrom aufgenommen.

Andere Methoden

Medikamente gehen normalerweise nicht sehr gut vom Blutstrom in bestimmte Bereiche des Gehirns oder des Rückenmarks über. Deswegen kann es nötig sein zur Behandlung eines Carcinoms des Gehirns oder des Rückenmarks Medikamente direkt in die Rückenmarksflüssigkeit zu injizieren. Dies wird durch eine sogenannte Lumbalpunktion erreicht. In manchen Situationen können zytotoxische Medikamente auch über eine Injektion in einer Muskulatur, als Creme zum Auftragen auf die Haut, als Injektion in die Brusthöhle oder als Injektion direkt in einen Tumor erfolgen.

Wie lang ist ein Zyklus Chemotherapie?

Normalerweise wird eine Chemotherapie in Zyklen gegeben. Ein Zyklus ist eine Folge von Behandlungen, gefolgt von einer Behandlungspause. Man erhält z.B. eine Medikamentendosis an einem Tag oder verschiedene Dosen über mehrere Tage. Danach hat man eine Behandlungspause für 3-4 Wochen. Das erlaubt dem Körper sich von den Nebenwirkungen zu erholen und gibt den beschädigten normalen Körperzellen Zeit sich zu erholen, bevor der nächste Behandlungszyklus beginnt. Die Behandlungszyklen werden in der Regel alle 3-4 Wochen durchgeführt, aber variieren abhängig von dem Krebs der behandelt wird und den Medikamenten, die dazu benutzt werden.

Die Länge einer vollen Behandlung zum Abschluss aller Zyklen dauert oft ca. 6 Monate. Das bedeutet ca. 6 Zyklen der Behandlung über diese 6 Monate verteilt. Der volle Behandlungszyklus kann allerdings variieren und sogar kürzer oder länger als 6 Monate sein, dementsprechend mit weniger oder mehr Behandlungszyklen. Auch dies hängt von dem Medikamententyp und dem zu behandelnden Krebstyp ab.

Während dieser Zeit werden verschiedene Untersuchungen, wie z.B. Ultraschall oder Röntgen-Aufnahmen in unterschiedlichen Zeitabständen durchgeführt, um zu sehen wie gut die Behandlung anspricht. Dies hilft Ihrem Arzt zu sehen, wie lang man diese Behandlung fortführen soll oder ob man z.B. die Medikamente umstellt bzw. die Behandlung nicht anzusprechen scheint. Es werden ebenso reguläre Blutuntersuchungen durchgeführt, um das Blutbild zu kontrollieren sowie die Kontrolle der Leber- und Nierenfunktion sicherzustellen.

Wo wird eine Chemotherapie verabreicht?

Die meisten Patienten erhalten eine Chemotherapiebehandlung als ambulante Patienten. Sie müssen unter Umständen ein paar Stunden in einem Krankenhaus für eine Behandlungsdosis verbleiben. Einige Behandlungszyklen verlangen einen tagesstationären Aufenthalt oder sogar die Aufnahme als Patient im Krankenhaus.

Einige Patienten erhalten ihre Chemotherapiebehandlung zu Hause. Diese Patienten haben bereits ein Kathetersystem, wie oben beschrieben, in eine ihrer großen Venen implantiert bekommen und können so über eine Spritzenpumpe die Medikamentenlösung in diesem Katheter über eine festgelegte Zeit verabreicht bekommen.

Wie sieht es aus mit Risiken und Nebenwirkungen einer Chemotherapie?

Zytotoxische Medikamente sind sehr stark wirksam und verursachen oft unerwünschte Nebeneffekte. Zytotoxische Medikamente wirken durch die Tötung von sich teilenden Zellen und so werden auch normale Zellen, die sich teilen, beschädigt. Nichts desto trotz variieren diese Nebenwirkungen von Medikament zu Medikament. Ebenso kann das gleiche Medikament bei verschiedenen Patienten unterschiedlich reagieren oder unterschiedliche Reaktionen hervorrufen. Einige Patienten entwickeln eher schwere Nebenwirkungen als andere, die das gleiche Medikament erhalten. Manchmal kann bei schweren Nebenwirkungen der Wechsel zu einem unterschiedlichen Medikament in ähnlicher Wirkungsweise eine Möglichkeit darstellen.

Einige der meist verbreiteten und wichtigen Nebenwirkungen einer solchen Therapie werden hier unten angeführt. Andere Nebenwirkungen können ebenfalls auftreten. Sie sollten mit Ihrem Arzt die Risiken und Nebenwirkungen für die Medikamente, die im Rahmen Ihrer Behandlung eingesetzt werden, besprechen. Sie können auch die komplette mögliche Nebenwirkungspalette eines jeden Medikamentes auf dem Beipackzettel studieren. Am Ende dieses Artikels ist eine Art Checkliste mit Symptomen, bei denen Sie direkten Kontakt mit Ihrem Arzt aufnehmen sollten, wenn diese Symptome während einem Chemotherapiezyklus auftreten sollten.

Müdigkeit

Müdigkeit ist eine verbreiterte Nebenwirkung. So kann es passieren, dass Sie Ihre normalen täglichen Aktivitäten ein wenig einschränken müssen, regelmäßige Ruhepausen einplanen sollten und, wenn möglich, mit einer gewissen Regelmäßigkeit leichte Übungen zur Fitness durchführen sollten Einige Patienten können sogar überwältigend müde sein und Hilfe bei der Erledigung ihrer täglichen Routine benötigen.

Übelkeit und Erbrechen

Es ist verbreitet während oder nach einem Zyklus der Behandlung vermehrt Übelkeit zu verspüren und sich krank zu fühlen. Sie müssen viel trinken, auch wenn Sie nicht durstig sind, um eine "Austrocknung“ des Körpers zu verhindern (Eiswürfel lutschen ist ein Tipp, um die Flüssigkeitsaufnahme pro Tag zu erhöhen).

Bestimmte Medikamente helfen für gewöhnlich bei diesen o. g. Beschwerden und werden zur gleichen Zeit oder kurz vor einer Chemotherapie genommen. Hierfür gibt es verschiedene Medikamente. Wenn eines dieser Medikamente nicht so gut helfen sollte, kann natürlich ein Wechsel zu einem anderen Medikament stattfinden, das unter Umständen besser hilft. Zäpfchen gegen die Übelkeit sind ebenfalls eine Möglichkeit. Sie werden in den Analkanal eingeführt und von dort in den Blutstrom schnell aufgenommen, ohne dass sie wie z.B. Tabletten selbst durch das herunterschlucken Übelkeit erzeugen können.

Wirkungen auf das Blut und Immunsystem 

Zytotoxische Medikamente können das Knochenmark beeinträchtigen. Das Knochenmark ist die Bildungsstätte für rote und weiße Blutkörperchen sowie Blutplättchen. Probleme, die dabei auftreten können, sind:

  • Anämie. Dies bedeutet ein Absinken der Anzahl roter Blutkörperchen. Wenn man eine Anämie entwickelt, fühlt man sich müde und sieht blass aus. Es kann dazu führen, dass man eine Bluttransfusion benötigt. 
  • Ernstzunehmende Infektionen. Sie sind anfälliger für Infektionen wenn die Menge an weißen Blutkörperchen abnimmt (es fehlt ihnen an der Fähigkeit Bakterien zu bekämpfen bzw. Viren abzuwehren). Suchen Sie sofort Ihren Arzt auf, wenn Sie die Zeichen einer Infektion entdecken wie z. B. Fieber oder  schwere Halsschmerzen. Durch die Abnahme der Infektabwehr können sie hoch dosiert Antibiotika benötigen, um eine Infektion zu bekämpfen. 
  • Blutungsprobleme. Die Blutplättchen helfen bei der Blutgerinnung, wenn wir uns z.B. schneiden. Wenn die Anzahl der Blutplättchen abnimmt, kann man leichter bluten und vor allen Dingen länger bluten als gewöhnlich. Wenn Sie dieses Symptom bemerken, sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen. Das kann so weit gehen, dass Sie eine Transfusion mit Blutplättchen benötigen. Vor jedem Behandlungszyklus wird gewöhnlich eine Blutuntersuchung durchgeführt, um die o.g. Effekt auszuschließen. Hierbei wird die Anzahl der roten Blutkörperchen, weißen Blutkörperchen und Thrombozyten (Blutplättchen) überprüft. Wenn eine dieser Parameter zu niedrig erscheint, dann kann ein Behandlungszyklus auch verschoben werden, die Auswahl der Medikamente sich ändern oder eine Behandlung notwendig sein, bei der die jeweils fehlenden Blutkomponenten ersetzt werden können. 

Mundprobleme

Die Zellen, die den Mund auskleiden, werden unter Umständen durch zytotoxische Medikamente angegriffen. Dies kann zu einem entzündeten Mund, einem trockenen Mund oder anderen Problemen in diesem Bereich führen. Erzählen Sie Ihrem Arzt über solche Probleme mit Ihrem Mund oder Rachen. Allgemeine gute Mundhygiene hilft diese Problematik zu vermeiden bzw. verhindert die Verschlimmerung. Wenn möglich, versuchen Sie die folgenden Punkte für sich zu beachten:  

  • Putzen Sie Ihre Zähne 2x am Tag mit einer weichen Zahnbürste und einer fluoridhaltigen Zahnpasta.
  • Spülen Sie Ihren Mund nach den Mahlzeiten und zur Nacht aus. Benutzen Sie dazu Wasser und 0,9%ige Natriumcloridlösung (Salzwasser). Sie können diese Lösung auch selbst herstellen, wenn Sie einen halben Teelöffel Salz auf 250 ml Wasser auflösen. Benutzen Sie kaltes oder warmes Wasser, wie es Ihnen lieber ist.
  • Entfernen Sie Beläge die Sie sehen in Ihrem Mund oder auf Ihrer Zunge durch das sanfte Bürsten mit einer weichen Zahnbürste. Wenn möglich machen Sie dies regelmäßig, aber hauptsächlich nach den Mahlzeiten und vor dem Zubettgehen.
  • Das Kauen von Ananasstückchen kann ebenfalls helfen den Mund sauber zu halten. Ananas enthält Ananase, ein Enzym, das Beläge in Ihrem Mund aufweichen kann. Sie können dazu frische Ananas oder nicht gesüßte Dosenananas nehmen.
  • Entfernen Sie Zahnprothesen über Nacht. Reinigen Sie Zahnprothesen mit einer sanften Zahnbürste und Zahnpasta und weichen Sie diese über Nacht in einer Zahnpflegelösung ein. Vor der nächsten Benutzung gründlich abspülen.

Wenn  Sie einen trockenen Mund entwickeln, können einfache Maßnahmen wie z.B. das häufige Trinken von kleinen Schlucken Wasser oder Kauen eines zuckerfreien Kaugummis in vielen Fällen helfen. Künstlicher Speichel oder Medikamente, die die Speicheldrüsen stimulieren werden manchmal zusätzlich eingesetzt.

Haarverlust

Einige zytotoxische Medikamente zerstören die haarbildenden Zellen. Dadurch werden einige Haare oder ihr komplettes Haar ausfallen. Dies tritt gewöhnlich 2-3 Wochen nach dem Beginn eines Behandlungszyklus auf. Die Körperbehaarung und Wimpern können ebenso ausfallen wie das Haupthaar.

Wenn der Behandlungszyklus komplett beendet ist, wird das Haar für gewöhnlich während 4 - 12 Monaten wieder nachwachsen.

Haarverlust ist für die meisten Patienten nicht so schlimm. Viele haben den Wunsch ihre Haare vor dem Beginn einer Chemotherapie sehr kurz zu schneiden, so dass alle weiteren Veränderungen durch die Therapie nicht so dramatisch erscheinen. Andere Patienten bevorzugen das Tragen einer Perücke, wieder andere das Tragen eines Hutes oder Kopftuchs. Insbesondere dürfen Sie nicht vergessen Ihren Kopf zu bedecken oder einen hohen Sonnenschutzfaktur aufzutragen, wenn Sie in der Sonne sind. Wenn Augenbrauen und Wimpern ausfallen können Sie Brille oder Sonnenbrille tragen, um Ihre Augen an windigen Tagen zu schützen.

Verstopfung

Dies kann vermieden werden durch Essen von faser- und ballaststoffreicher Nahrung und ausreichender Zufuhr von Flüssigkeiten. In manchen Fällen kann auch ein leichtes Abführmittel verabreicht werden.

Durchfall

Dies ist die Nebenwirkung einiger Medikamente. Sie sollten deswegen die Menge an Flüssigkeit, die Sie zuführen, deutlich erhöhen wenn Sie eine Durchfallsymptomatik entwickeln. Wenn der Durchfall andauert oder schwerwiegender wird, sollten Sie es Ihrem Arzt sagen. Manchmal können Durchfall stoppende Medikamente notwendig werden oder sogar eine stationäre Aufnahme in einem Krankenhaus zur Infusionstherapie und Ausgleich der "Austrocknung" notwendig werden.

Nervenirritationen

Einige Medikamente können Nerven beeinträchtigen. Das kann zu Ausfall der Berührungsempfindlichkeit oder Sensibilität in bestimmten Körperarealen führen, wie z.B. der Finger oder Zehen oder zur Schwäche von vereinzelten Muskeln. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn diese Symptome auftreten.

Fruchtbarkeit

Einige Chemotherapiemedikamente können die Fruchtbarkeit von Männern und Frauen gleichermaßen beeinträchtigen. Manchmal ist dies vorübergehend, manchmal tritt dies bleibend ein. Wenn dies für Sie wichtig ist, kann eine Möglichkeit für Männer die Samenspende und für Frauen die Eizellspende mit Aufbewahrung sein, bevor eine Chemotherapie beginnt. Diese werden dann eingefroren und stehen für die Zukunft zur künstlichen Befruchtung zur Verfügung. Einige Frauen entwickeln einen verfrühten Beginn der Wechseljahre,  wenn zytotoxische Medikamente verabreicht werden

Zusammenfassung der Nebenwirkungen und Checkliste

Sie sollten mit Ihrem Arzt das persönliche Risiko und die Nebenwirkungen Ihrer Medikamente, die für Ihre Behandlung auserwählt wurden, besprechen. Während Sie durch einen Chemotherapiezyklus behandelt werden, sollten Sie Ihren Arzt bei den folgenden Symptomen so schnell als möglich aufsuchen:

  • Das Entwickeln von Fieber (hohen Temperaturen) oder vermehrtes Schwitzen.
  • Das Entwickeln anderer Symptome, die durch eine Infektion bedingt sein können, z.B. schwere Halsschmerzen, Schmerzen beim Wasserlassen, Husten, Atemnot,
  • Rötung und Schmerzen im Bereich der Haut eines evtl. eingebrachten Kathetersystems.
  • Das Entwickeln von blauen Flecken, leichterer Blutungsneigung oder irgendeine abnormal auftretende Blutung.
  • Schweres oder anhaltendes Erbrechen, insbesondere wenn man viel Flüssigkeit verliert.
  • Entwickeln von Verstopfung oder Durchfall.
  • Andere Symptome die Sie sehr belasten, egal welcher Art.

Einige andere Bemerkungen über die Chemotherapie

Vor dem Beginn der Chemotherapie

Abhängig von den verwendeten Medikamenten werden einige Basisuntersuchungen des Blutes durchgeführt, um die Funktion von Leber und Niere zu testen. Manchmal kann eine Herzuntersuchung oder eine Untersuchung der Lungenfunktion notwendig sein. Dies ist notwendig, weil einige Medikamente diese Organe beeinträchtigen können. Diese Untersuchungen werden während der Behandlung immer wiederholt um zu zeigen, dass die betroffenen Organe weiterhin gut funktionieren, auch wenn eine Chemotherapie erfolgt.

Schwangerschaft und Verhütung

Obwohl einige zytotoxische Medikamente die Fruchtbarkeit reduzieren ist eine Schwangerschaft weiterhin möglich, wenn man sexuell aktiv ist. Nichts desto trotz beschädigen zytotoxische Medikamente Sperma, Eizellen und ein ungeborenes Baby. Aus diesem Grund ist es nicht ratsam schwanger zu werden, wenn eine Frau eine Chemotherapie erhält oder ein Partner eines Mannes unter Chemotherapie ist. Wenn Sie sexuell aktiv sind, sollten Sie verlässliche Verhütungsmethoden ergreifen.

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wie lange diese Verhütung nach der Behandlung andauern soll. Es kann allerdings 2 Jahre oder mehr dauern, bevor eine Schwangerschaft "sicher" ist.

Chemotherapie und späterer Krebs

Es bleibt ein geringes Restrisiko, dass zytotoxische Medikamente eine andere Form eines Krebses weitaus später in Ihrem Leben hervorrufen können.

Einige zytotoxische Medikamente können: 

  • Mit anderen Medikamenten Wechselwirkungen zeigen oder reagieren. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt deswegen alle anderen Medikamente, die Sie nehmen.
  • Mit Alkohol reagieren. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob Sie Alkohol während der Behandlungsdauer trinken dürfen.
  • Schwindel auslösen oder Sie zu krank zum Fahren machen. Es ist gewöhnlich das beste, während einer Chemotherapie nicht selbst zu und von einem Krankenhaus nach Hause zu fahren.

Letzte Änderung am:  09. August, 2014
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